Xing Yi Quan, manchmal auch Hsing I genannt, ist der Name der vermutlich äl­testen inneren chinesischen Kampfkunst und lässt sich ungefähr mit „Boxen des zielgerichteten Geistes oder Willens” übersetzen.

Während Tai Chi Chuan für den Betrachter sehr weich und rund wirkt, vermittelt der Anblick des Xing Yi Quan auf den ersten Blick nicht das, was man sich unte­re einer inneren Kampfkunst vorstellt. Xing Yi Quan explodiert zielgerichtet und geradlinig, aggressiv nach vorne. Der Fokus scheint vollkommen auf den Angriff und das Zerstören gerichtet, die Bewegungen wirken sehr kraftvoll, aber auch sehr hart.

 

Dennoch bezieht auch dieses System seine Kraft nicht wie man vermuten könnte aus der äußeren Muskelkraft, sondern basiert, genauso wie auch das Tai Chi Quan, auf der feinstofflichen Chikraft.

Man schreibt die Entwicklung des Xing Yi Quan dem General Yue Fei aus dem 12. Jahrhundert zu. Er entwickelte das System für den Einsatz auf den Schlacht­feldern, damit seine Soldaten auch bei Verlust ihrer Waffen in kürzester Zeit mehrere Gegner zugleich kampfunfähig machen konnten. Die Kraft ist stets geradlinig nach vorne zum Gegner gerichtet, mit der inneren Haltung, diesen einfach zu überrennen. „Xing Yi Quan ist wie rennen durch hohes Gras” lautet ein Sprichwort, das zum Ausdruck bringt, dass auch mehrere Gegner keinerlei Widerstand darstellen.

Das wichtigste Prinzip ist das Nach-vorne-Stürmen und ohne sich zurückdrängen zu lassen. Auf mentaler Ebene bedeutet das eine innere Stärke und zielgerichtete, unbeugsame Absicht zu entwickeln.
Der aggressive Yangaspekt dominiert den Stil, im Gegensatz zum Tai Chi Quan, das weicher und Yin orientierter ist. Diese Aggressivität und Kraftentwicklung beruht aber dennoch nicht auf dem Training der äußeren Muskelkraft, sondern auf Nei Gong, dem Training der inneren Kraft Chi und der Entspannung der Muskulatur.

Xing Yi Quan basiert auf den fünf Elementen, aus denen der gesamte Kosmos besteht: Metall, Wasser, Holz, Feuer, Erde. Jedem Element liegt eine spezielle Handtechnik oder Art zu schlagen zugrunde.

1. Metallelement: Die spaltende Faust „Pi Chuan”
Die Grundrichtung der Bewegung verläuft von oben nach unten und entwickelt die innere Kraft des Nachuntendrückens. Das Training der spaltenden Faust kräf­tigt die Wirbelsäule, Arme und Hände und hat einen direkten gesundheitlichen Nutzen für die Lungen.

2. Wasserelement: Die bohrende Faust „Tsuan Chuan”
Diese dem Wasserelement zugeordneten Bewegungen verlaufen genau umge­kehrt von unten nach oben. Hier lernt der Schüler sich zu bewegen wie Wasser: die Hände bewegen sich um den Gegner herum, so wie Wasser ein Hindernis um­spült. Die Übungen der bohrenden Faust kräftigen die Nieren und vermehren die Lebensenergie.

3. Holzelement: Die zerschmetternde Faust „Beng Chuan”
Die Bewegungsrichtung der zerschmetternden Faust verläuft geradlinig nach vor­ne mit der inneren Haltung des Vorwärtsdrängens. Sie wird als die kraftvollste Angriffstechnik aller Kampfkünste angesehen. Das Holzelement hat einen direk­ten Bezug zur Leber, die durch das Üben dieser Technik gestärkt wird.

4. Feuerelement: Die hämmernde Faust „Pao Chuan”
Die Hauptkraft- und Bewegungsrichtung dieser Technik verläuft diagonal in alle Richtungen und hat einen explosiven, vorwärtsdrängenden Charakter. Die dem Feuerelement zugeschriebene Technik trainiert das explosive Freisetzen von Energie und stärkt vor allem das Herz.

5. Erdelement: Die kreuzende Faust „Heng Chuan”
Das ist die am schwierigsten zu lernende Technik, da sie die ersten vier Elemente kombiniert. Die dem Erdelement zugeschriebene Technik entwickelt und stärkt die Bauchorgane, v.a. die Milz.

 

mit Ming Yue, Meistersch├╝ler von Tian Liyang und Weltmeister im Xingyi Quan 2010
Tai Ji Quan des Wudangstils in Rastatt und Umgebung